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Mein Tagebuch
Ich warte nun schon eine ganze Weile darauf die Ausbildung zum Piloten beginnen zu können. Bald habe ich es geschafft. An dieser Stelle möchte ich meiner Erlebnisse und Erfahrungen, insbesondere die der Zukunft, festhalten. Vielleicht hilft es dem einen oder anderen Interessierten sich einen Überblick zu verschaffen.
[09.06.2004] Heute hat mein Vater Hubertus Huttel vom Aeroclub NRW, das ist unser Landesverband, angerufen und mit ihm die Möglichkeit besprochen eine Sondergenehmigung zu bekommen. Mit dieser Sondergenehmigung darf ich dann auch bevor ich 14 Jahre alt bin mit der Ausbildung zum Segelflugzeugführer beginnen.
[26.06.2004] Heute bin ich mit meinem Vater und der DG 505 Orion zu einem kleinen Überlandflug gestartet. Wir haben uns vorgenommen, wenn es geht, das etwa 20 km entfernte Kraftwerk in Niederaussem zu erreichen. Das Kraftwerk ist für Segelflieger wie eine Tankstelle für Autos. Die große Menge an Wärme die eine solches Kraftwerk erzeugt und in die Luft abgibt verursacht einen Aufwind in dem ein Segelflugzeug in große Höhen steigen kann. Um 11:05 UTC sind wir mit der DG 505 an der Segelflugwinde gestartet. Nach dem Ausklinken haben wir auch sofort einen kräftigen Aufwind, wir sagen Bart dazu, gefunden der uns auf ca. 1000 Meter hinaufträgt. Die Höhe reicht aus um das Kraftwerk in Niederaussem zu erreichen also fliegen wir los. Nach ein paar Minuten sind wir angekommen und sind immer noch 600 Meter hoch. Dann sind wir in der Kraftwerksbart eingeflogen. Für mich ist es das erste Mal. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Der Aufwind ist so stark, das unser Segelflugzeug mit über 5 m/s nach oben gerissen wurde. Das Meßinstrument (Variometer) ist am Anschlag. Das Flugzeug bockt und schüttelt sich. Man muß die Sicherheitsgurte stramm anziehen um nicht durch das Flugzeug gewirbelt zu werden. Wenige Sekunden später ist alles vorbei. Wir sind in einer Höhe von 1300m und haben den Aufwind verlassen. Es ist wieder alles schön ruhig, so wie ich es auch sonst kenne. Mit dieser Höhe können wir den Rhein bei Dormagen erreichen und da fliegen wir auch hin. Es dauert nicht lange und wir kreisen wieder in einem Aufwind über dem Werksgelände der Bayer AG in Dormagen. Das ist ein guter Aufwind mit Steigwerten von ca. 4 m/s. Dieser Aufwind ist sehr viel ruhiger als der im Kraftwerk und ich bin froh das ich nicht wieder so durchgeschüttelt werde. Die Sicht ist heute wunderbar. Fast kein Dunst man kann bestimmt 100 km weit sehen. Ich sehe vor uns das Bergische Land, links Düsseldorf und rechts Köln. Sogar den Kölner Dom und den Hauptbahnhof kann ich deutlich erkennen. Auf dem Rhein sind eine Menge Schiffe die eine kleine weiße Bugwelle vor sich herschieben. Ich wundere mich über die Farbe des Rheins. Die ist dunkelgrün und nicht grau oder schwarz, wie man es vom Boden kennt. Der Aufwind hat uns auf 1500 Meter getragen und wir fliegen weiter in Richtung Bergisches Land. Den Rhein haben wir nun hinter uns gelassen und unter uns befindet sich der Segelflugplatz Langenfeld. Die Langenfelder fliegen auch denn ich kann ein paar Segelflugzeuge am Start von hier oben erkennen. Es ist nun schon fast eine Stunde vergangen und da mit dem Segelflugzeug noch andere fliegen möchten, entschließen wir uns wieder zurück zu fliegen. Immerhin sind wir ca. 45 bis 50 km von unserem Flugplatz entfernt und für den Rückflug brauchen wir auch noch etwas Zeit. Wir fliegen den gleichen Weg zurück, den wir auch hingeflogen sind. Erst nach Dormagen wo wieder ein schöner Aufwind auf uns warten und wir wieder ein wenig kreisen um den Höhenverlust auszugleichen. Weiter zum Kraftwerk Niederaussem und dann über den Tagebau Hambach. Eine tolle Aussicht. Ich kann die Bagger in der Grube deutlich erkennen und das aus einer Höhe von 1000 Meter. Man sieht auch wie viel Kohle in der Grube ist. In der Ferne sehe ich das Kraftwerk Weißweiler und die Eifel. Dann kommt ein Funkspruch von unserem Heimatflugplatz in Nörvenich. Man bittet uns den Flug zu beenden damit auch andere noch die Möglichkeit erhalten Flüge mit der DG 505 zu unternehmen. Wir beeilen uns. Noch einmal genau den Luftraum überprüft. Kein Flugzeug ist zu sehen. Wir drücken den Steuerknüppel nach vorne. Das Flugzeug wird immer schneller. Jetzt fliegen wir mit ca. 220 km/h Richtung Nörvenich. Der Tagebau ist überflogen, Kerpen-Buir huscht unter uns durch und Nörvenich taucht vor uns auf. Wir sind wieder zurück. Wir haben noch ca. 400 Meter Höhe und nehmen den Knüppel zurück. Das Flugzeug wird wieder langsamer und wir fliegen wieder mit normaler Geschwindigkeit von ca. 100 bis 120 km/h. Noch eine große Schleife über Nörvenich, mal schauen ob Oma und Opa im Garten zu sehen sind - sind sie aber nicht, und dann zum Landeanflug. Noch eine butterweiche Landung und die Erde hat uns wieder. Landung 12:42 UTC, Flugzeit 1 Stunde und 38 Minuten und ungefähr 100 km Strecke zurückgelegt. Ist schon toll wenn man bedenkt das man mit einem Segelflugzeug solche, und noch weitere Strecken, zurücklegen kann und das ganze nur mit Sonnenenergie! Ein toller Flug und ein super Erlebnis!
[13.08.2004] Geschafft! Heute habe ich meine Flugtauglichkeit nachgewiesen. Ich war bei allen geforderten Ärzten. Nächste Woche bekomme ich mein Medical. Jetzt darf ich geschult werden. Juhu! Als erstes geht es am 21.08.2004 für zwei Wochen ins Fliegerlager nach Traben Trarbach an die Mosel. Wir zelten da am Flugplatz und können zwei Wochen ununterbrochen fliegen. Hoffentlich ist das Wetter gut. Ich freu mich schon jetzt - bin ganz aus dem Häuschen.
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